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Daten als strategische Ressource nutzen: Fraunhofer ISST zeigt auf der LogiMAT 2020 einen »Shared Digital Twin« für Datenintegration

Wer industrielle Anlagen betreibt, will Ausfallzeiten vermeiden. Dementsprechend gut sollten Wartungsintervalle an die tatsächliche Notwendigkeit einer Überprüfung der Anlage angepasst werden. Hierzu müssen Daten zwischen Anlagenbetreiber und Anlagenhersteller ausgetauscht werden. Dieser Prozess ist nur ein Beispiel von vielen für die Notwendigkeit eines unternehmensübergreifenden Datenaustauschs.

Das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST hat eine IoT-Architektur entwickelt, die die Daten eines solchen Unternehmensprozesses in einen »Shared Digital Twin« integriert. Diese Daten können auf der Basis von Konnektoren mit anderen Unternehmen geteilt werden, wobei das datengebende Unternehmen immer die Kontrolle über die Nutzung der Daten behält. Die Lösung präsentiert das Fraunhofer ISST erstmals auf der LogiMAT (10. bis 12. März 2020, Stuttgart, Halle 6, Stand G63).

Der »Shared Digital Twin« wird anhand eines Operation Desk präsentiert, der drei verschiedene Sichten auf einen Unternehmenswert beinhaltet: die Sicht des Datengebers, den Shared Digital Twin und die Sicht des Datenempfängers. Ein typisches Szenario, in dem ein Datenaustausch zwischen diesen drei Sichten von hoher Relevanz ist, ist die Zustandsüberwachung (Condition Monitoring) von Anlagen: Der Anlagenbetreiber produziert Informationen zu seiner Anlage, die er dem mit der Wartung beauftragten Anlagenhersteller zur Verfügung stellen möchte. Der Anlagenhersteller kann die Nutzungsdaten des Betreibers mit eigenen Daten über die Maschine anreichern und passgenauere Wartungsintervalle anbieten.

Der Digitale Zwilling: Mehr als nur reine Simulation der »echten Welt«

Bei einem Digitalen Zwilling geht es um mehr als um ein reines digitales Abbild eines realen Gegenstandes oder Prozesses: Kern des »Digital Twin« ist die Datenintegration. Die Daten können aus verschiedenen Quellen stammen und auch unterschiedliche Formate besitzen. Sie werden über den gesamten Lebenszyklus eines Unternehmenswerts wie beispielsweise einer Anlage oder einem Prozess in einem zentralen Repository zur Verfügung gestellt. In ihm können dann verschiedenste Analysen mit den Daten durchgeführt werden. Diese können unter anderem aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz, des Machine Learnings oder der Predictive Maintenance stammen.

Einsatz etablierter Standards für Integration aus Austausch

Der »Shared Digital Twin« wurde auf Basis der vom Fraunhofer ISST entwickelten IoT-Architektur RIOTANA entwickelt. Mit RIOTANA können aus den Rohdaten laufender Prozesse (etwa Schwingungen, Temperatur oder Reibung) in Echtzeit aussagekräftige Kennzahlen generiert werden. Als Digital Twin kommt die von der Plattform Industrie 4.0 standardisierte Verwaltungsschale zum Einsatz, so dass das Framework und die Schnittstellen des Zwillings klar definiert und einheitlich sind.

Doch »Shared« heißt, dass die Daten nicht nur im Unternehmen selbst verbleiben, sondern in Netzwerkstrukturen ausgetauscht werden. Dazu nutzt die Lösung »IDS-Konnektoren«, die im Rahmen der International Data Spaces (IDS)-Initiative von Fraunhofer und zahlreichen Wirtschaftspartnern mit dem Ziel vorangetrieben wird, einen souveränen Austausch von Daten zwischen verschiedenen Unternehmen standardisiert zu ermöglichen. Die Kontrolle über die Daten behält bei der Nutzung des International Data Spaces immer das datengebende Unternehmen, indem es Nutzungsbedingungen an die Daten heftet, die es mit Kooperationspartnern teilt. Beide Unternehmen, die den Digitalen Zwilling teilen, können die Daten auch mit Informationen anreichern.

Der Shared Digital Twin setzt also mit der Verwaltungsschale und den IDS-Konnektoren auf zwei Standards, die bereits Einzug in die Industrie gefunden haben. Welche Datenbank in dem Zwilling eingesetzt wird, kann variabel anhand des jeweiligen Anwendungsfalls entschieden werden.

Entwickelt wird die Lösung im Rahmen des »Fraunhofer Cluster of Excellence Cognitive Internet Technologies CCIT« und des »Leistungszentrums Logistik und IT«. Im Fraunhofer CCIT konzipieren Forscherinnen und Forscher aus 13 Fraunhofer-Instituten gemeinsam kognitive Internettechnologien für die Industrie (www.cit.fraunhofer.de). Das Leistungszentrum Logistik und IT bündelt die Wissenschaft und Forschung im Kompetenzfeld Logistik und IT am Standort Dortmund (leistungszentrum-logistikit.de).

Quelle: www.isst.fraunhofer.de

Pressemitteilung veröffentlicht am 13.02.2020 in IoT, News (In- und Ausland).