Beumer Group

Interview mit Andrea Prevedello, Global Sales Director CL Systems der BEUMER Group: „Unsere Systemlösungen kommen überall zum Einsatz“

Auf der bauma in München informierte die BEUMER Group über ihre Systemlösungskompetenz unter anderem für die Bergbau- und die Rohstoffindustrie oder auch den Hafenumschlag. Zum Portfolio gehören kurvengängige Gurtförderer, Mischbettanlagen sowie Schiffsbelader. Wie Anwender von der BEUMER Group als Partner profitieren können und welche Trends auf sie zukommen, erklärt Andrea Prevedello im Interview. Er ist Global Sales Director CL Systems der BEUMER Group.

Herr Prevedello, auf der bauma haben Sie unter anderem über Überlandförderer und Pipe Conveyor informiert. Können Sie über ein aktuelles Projekt berichten?

Andrea Prevedello: Spontan denk ich da an ein spannendes Projekt in der belgischen Gemeinde Flémalle. Hier wurde früher ein Kohleheizkraftwerk betrieben. Die verbliebenen Rückstände sind auf einer Flugaschehalde deponiert. Um die Flugasche für die weitere Verschiffung zur Maas zu fördern, haben wir einen Pipe Conveyor installiert. Seine geschlossene Bauform verhindert den Kontakt des flüchtigen Materials mit der Umwelt und ermöglicht einen geräuscharmen Transport zum Zielort. Das ist sehr wichtig, weil die Anlage auch über öffentliche Straßen, Bahngleise und Wohngebiete führt. Der Abtransport der Flugasche erfolgt unter strikter Einhaltung der Sicherheitsnormen, berücksichtigt die Ruhebedürfnisse der Anwohner und schont die Umwelt. Innerhalb von zehn Jahren soll die Halde komplett abgetragen sein. Anschließend wird auf dem Gelände ein Naturpark entstehen.

Welche Herausforderungen mussten Sie bei diesem Projekt meistern, zum Beispiel bei der Montage der Anlage?

Andrea Prevedello: Die Montage war in dieser malerischen, aber eben auch sehr bergigen Umgebung eine ziemliche Herausforderung. Und weil der Pipe Conveyor über Straßen, Schienen und Wohngebiete führt, galt es für uns, öffentliche Regularien einzuhalten. Dazu haben wir drei Teams aufgestellt. Um das Fördersystem sicher zu gestalten, damit es beim Schüttguttransport weder zu Umwelt- noch zu Lärmbelastungen kommen kann, arbeiteten im ersten Team Mitarbeiter der Kommunalbehörden eng mit unseren Fachleuten zusammen. Das zweite Team bestand aus zehn BEUMER Mitarbeitern, die das System montierten. Für die Montagearbeiten kamen Spezialkräne und Hubschrauber zum Einsatz. Damit beauftragten wir das dritte Team: die Heliswiss International AG aus dem schweizerischen Küssnacht. Sie bieten Transport- und Montageflüge mit Schwerlast-Hubschraubern. Zentimetergenaue Flugmanöver waren erforderlich, damit die Techniker die an den Hubschraubern befestigten, schwebenden Elemente des Förderers sicher an der Stahlkonstruktion montieren konnten. Die Piloten mussten die Komponenten exakt an die Bohrlöcher des Anschlussstücks manövrieren, damit Team II sie miteinander verschrauben konnte. Dabei standen unsere Mitarbeiter auf an Kranen befestigten Plattformen in Höhen von bis zu 45 Metern. Das zu beobachten, war sehr beeindruckend.

Wie stellen Sie bei diesen Projekten sicher, dass der Kunde die optimale Lösung erhält, mit der er nachhaltig wettbewerbsfähig bleibt?

Andrea Prevedello: Eine wesentliche Eigenschaft unserer Transportlösungen ist, dass sie Horizontal- und Vertikalkurven ermöglicht. Damit können wir Strecken an die optimale Route anpassen und müssen nicht mit mehreren geraden Streckenabschnitten um Hindernisse herumbauen. Abhängig von den Eigenschaften des zu fördernden Materials lassen sich Steigungswinkel von bis zu 15 Grad umsetzen, je nach Topographie mit Längen von mehr als zwölf Kilometern. Und gerade wegen dieser Kurvengängigkeit sind wesentlich weniger oder keine Übergabetürme nötig. Der Kunde erhält eine ideale Lösung, er spart deutlich Kosten, und das System führt das Fördergut durchgängig auch über herausfordernde Steigungen und Gefällstrecken – das war vor allem in Flémalle ein ganz großer Vorteil. Mit Hilfe eigener Berechnungsprogramme ermitteln wir die statischen und dynamischen Gurtzugkräfte schon in der Projektierung. Dies ist die Voraussetzung für die sichere Auslegung der Kurven. Auf Grundlage dieser Berechnungen wählen wir die Fördergurte und die Antriebstechnik aus. Dies verspricht einen dauerhaft sicheren Betrieb der gesamten Anlage.

Hätte es für diese Aufgabe auch alternative Möglichkeiten gegeben, zum Beispiel den Einsatz von LKWs?

Andrea Prevedello: Bergwerksbetreiber, Zement- oder Baustoffhersteller setzen beim Transport von Schüttgut auch über große Entfernungen häufig auf LKWs. Die Fahrzeuge haben sicher auch ihre Berechtigung. Sie stoßen allerdings je nach Beschaffenheit des Geländes schnell an ihre Grenzen: Sie brauchen unter anderem gut ausgebaute Straßen – die Kosten für deren Bau, Instandhaltung und eventuellen Ausbau sind nicht unerheblich. Ebenso wenig darf der ökologische Aspekt vergessen werden: Neue Straßen und Zufahrten stellen einen gravierenden Eingriff in die Natur dar. Und das sollte gerade in der Gegend rund um Lüttich mit den kleinen Dörfern entlang der Maas sowie den Wäldern und Landschaften vermieden werden. Dazu kommen die Emissionen, die der LKW-Verkehr verursacht, sowohl im Hinblick auf Schadstoffe als auch auf Lärm und Staub.

Wir statten unsere Gurtförderer mit umweltfreundlichen Elektroantrieben und Niedrigenergiegurten aus. Die eingesetzten Motoren werden meist regelbar ausgeführt. Dadurch lassen sich die Belastungen bei verschiedenen Betriebszuständen optimal auf die Antriebseinheiten verteilen. Führt die Strecke talwärts, arbeitet die Anlage im generatorischen Betrieb. Die hieraus gewonnene elektrische Energie wird über eine Rückspeiseeinheit in das öffentliche Netz zurückgeleitet. Unsere Gurtförderanlagen können bis zu 90 Prozent weniger Primärenergie als vergleichbare LKW-Transporte verbrauchen. Anwender reduzieren ihre Betriebskosten oft um einige Millionen Euro im Jahr. Falls sie nicht wissen, für welche Lösung sie sich entscheiden sollen – ein Kostenvergleich hilft.

Als Systemanbieter haben Sie Lagergeräte im Programm. Wie sieht der Lieferumfang aus, wie unterstützen Sie den Betreiber?

Andrea Prevedello: Für diese Lagergeräte bieten wir die volle Palette von Absetzern und Kratzern. Diese können verschiedene Funktionen abdecken, z. B. die einfache Lagerung oder das Mischen des Schüttguts, und einen maximalen Mischeffekt gewährleisten. Anwender können damit Schüttgutqualitäten effizient homogenisieren und damit die Gleichmäßigkeit der eingesetzten Rohstoffe sicherstellen. Meine Kollegen übernehmen das komplette Engineering der Anlage. Sie berechnen die Lagerabmessungen und übernehmen den Entwurf sowie die statischen Berechnungen der zugehörigen Lagerhallen. Je nach Anforderung sind die Mischbetten entsprechend angepasst. Wir legen sie als Längs- oder Kreislager aus. Die Form ergibt sich aus den Platzverhältnissen und der Menge des zu lagernden Materials. Wir bieten zudem materialspezifische Detaillösungen mit robuster und verschleißarmer Ausstattung an. Die Umweltbelastungen sind sehr gering, weil im Betrieb nur wenig Lärm und Staub entsteht.

Aus welchen Branchen kommen die Anwender, die auf Ihre Lösungen setzen?

Andrea Prevedello: Das ist sehr unterschiedlich. Unsere Systemlösungen kommen überall dort zum Einsatz, wo es um den Transport von großen Mengen Schüttgut geht. Das betrifft insbesondere die Erz- und Rohstoffindustrie, aber auch Anwendungen außerhalb dieser angestammten Bereiche – wie den Transport von Getreide. In Häfen helfen wir beispielsweise dabei, unterschiedliche Materialien effizient auf Schiffe zu befördern.

Worauf kommt es bei diesen Beladeanlagen an?

Andrea Prevedello: Unsere auf Schienen verfahrbaren und schwenkbaren Schiffsbelader sind mit einer teleskopierbaren Schurre und einem Schleudergurtförderer ausgestattet. Damit können wir die Beladung so effektiv und flexibel wie möglich gestalten. Der Schiffsbelader ist zudem mit einer Vorrichtung zur Entstaubung ausgerüstet, die einen emissionsfreien Betrieb sicherstellt. Ergänzend dazu bieten wir auch Losebeladeköpfe, mit denen Schüttgüter schnell und staubfrei in Silofahrzeuge verladen werden. Je nach Schüttdichte, Fließeigenschaft und Produkttemperatur der Verladegüter kommen spezielle Füllstandsmelder zum Einsatz.

Wegen steigender Lebensstandards vor allem in Schwellenländern und durch den Ausbau von Schlüssel- und Zukunftstechnologien wächst der Bedarf bei den meisten Rohstoffen. Wie wird sich diese Entwicklung auf den Anlagenbau auswirken?

Andrea Prevedello: Die Preise für Rohstoffe wie Eisenerz oder Kupfer steigen aktuell rasant an. Deshalb spüren wir die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen. Um den steigenden Bedarf zu decken, geht ein Trend hin zu immer größeren Tonnagen und Durchsätzen, da größere Produktionsstätten effizienter sind. Viele Anwender möchten nicht mehrere Anlagen parallel aufstellen, sondern ihren kompletten Bedarf mit nur einer Linie oder einer möglichst geringen Zahl an Linien abdecken. Dieser Trend beeinflusst die Entwicklung unserer Anlagen und Systeme erheblich.

Quelle: www.beumergroup.com

Foto „head“: Der Schiffsbelader besteht aus einem feststehenden Ausleger mit einem ausfahrbaren Teleskopgurtförderer.

Pressemitteilung veröffentlicht am 05.06.2019 in Allgemein.